Jedes SaaS stößt im Wachstum irgendwann auf einen Engpass. In der Early Stage fehlt vielleicht planbare Nachfrage. Später kommen genügend Leads rein, aber die Akquisitionskosten steigen oder zu viele Kunden springen wieder ab.
Growth Marketing gibt dir ein Steuerungsmodell, um genau diese Engpässe zu erkennen und gezielt zu bearbeiten. Du prüfst anhand deiner Zahlen, wo dein SaaS gerade Revenue verliert und welcher Hebel dort ansetzen kann.
Das macht Growth Marketing in jeder Wachstumsphase relevant. Es hilft dir damit vor allem bei der Frage: Wo verliert mein SaaS gerade Revenue und was sollte ich als Nächstes ändern?
Growth Marketing: Das Wichtigste in Kürze
- Growth Marketing steuert Wachstum anhand konkreter Engpässe. Welcher Hebel Priorität bekommt, hängt von deiner Wachstumsphase und deinen Zahlen ab.
- Fehlende Leads sind nur ein möglicher Engpass. Eine schwache Activation oder hoher Churn können dein ARR genauso bremsen.
- Growth Marketing kann zwischen wenigen Wochen und zwölf Monaten brauchen, bis ein Hebel belastbar bewertet werden kann. Der Zeitraum hängt vom Experiment und der verfügbaren Datenmenge ab.
- Organic Growth kann qualifizierte Nachfrage über einen längeren Zeitraum abgreifen. SEO und Content bauen dafür einen Akquisitionskanal auf, der nicht von jedem zusätzlichen Euro Media Spend abhängt.
Was ist Growth Marketing?
Growth Marketing ist ein Steuerungsmodell für weiteres Unternehmenswachstum. Du analysierst, welcher Engpass dein SaaS aktuell bremst, formulierst eine Hypothese und testest gezielt einen Hebel, der diesen Engpass reduzieren soll.
Das kann SEO sein, wenn dir qualifizierte Nachfrage fehlt. Bei vielen Trials mit geringer Activation kann der stärkere Hebel im Onboarding liegen. Bei hohem Churn musst du wiederum später im Kundenlebenszyklus ansetzen.
Welche Aufgabe Growth Marketing übernimmt, verändert sich deshalb mit der Wachstumsphase deines SaaS.
Growth Marketing gibt dir damit keine feste Liste an Maßnahmen vor. Es gibt dir eine Reihenfolge: Engpass finden, passenden Hebel testen und anhand der Ergebnisse neu priorisieren.
Wie Growth Marketing in der Praxis aussieht
Bei VDB Digital nutzen wir diese Logik vor allem für Organic Growth. Ein typisches Beispiel ist die Frage, an welcher Stelle der Buying Journey einem SaaS die passenden Inhalte fehlen.
Dafür analysieren wir zunächst, wonach potenzielle Kunden in den einzelnen Phasen ihrer Recherche suchen. Anschließend ordnen wir relevante Suchintentionen der Buying Journey zu und identifizieren Money Keywords, bei denen Interessenten bereits aktiv nach einer Lösung suchen.
So kann beispielsweise sichtbar werden, dass ein SaaS bei Awareness-Themen gut gefunden wird, aber kaum Inhalte für Interessenten besitzt, die bereits Anbieter vergleichen. Der Engpass liegt dann nicht zwingend beim Traffic. Es fehlen Seiten, die bestehende Nachfrage näher zum Kauf führen.
Genau hier setzt unser Organic Growth System an. Im Revenue Mapping bestimmen wir, welche Inhalte entlang der Buying Journey fehlen und welche davon zuerst auf Pipeline einzahlen können.

Die Grafik zeigt den Unterschied gut. Mit passenden SEO-Inhalten begleiten wir potenzielle Kunden über einen größeren Teil ihrer Recherche. Ohne diese Inhalte entstehen Lücken, in denen Einwände offenbleiben und potenzielle Kunden verloren gehen.
Wie unterscheidet sich Growth Marketing von anderen Growth-Ansätzen?
Growth Marketing wird häufig mit anderen Ansätzen für die Kundengewinnung und das Unternehmenswachstum verglichen. Für deine Planung beantworten sie allerdings unterschiedliche Fragen.
Ein Growth-Hacking-Experiment kann damit Teil deines Growth Marketings sein. Growth Marketing setzt bereits bei der Auswahl des Problems an und macht erfolgreiche Tests anschließend zu einem wiederkehrenden Prozess. Bei Marketing Led Growth geht es stärker darum, welche Rolle Marketing im gesamten Wachstumsmodell übernimmt.
Für dein SaaS ist vor allem die Konsequenz relevant: Growth Marketing hilft dir, Budget dort einzusetzen, wo deine Zahlen aktuell den größten wirtschaftlichen Hebel zeigen.
Wo liegt der größte Growth-Hebel in Deinem SaaS?
Die Wachstumsphase gibt dir zunächst den größeren Rahmen vor. Innerhalb jeder Wachstumsphase musst du allerdings noch genauer prüfen, an welcher Stelle des Kundenlebenszyklus dein SaaS Revenue verliert.
Dafür betrachten wir Acquisition, Activation, Retention und Expansion. Diese Phasen existieren unabhängig davon, ob dein SaaS gerade in der Early Stage oder bereits in der Scale Stage steckt. Nur ihre Gewichtung verändert sich.
Ein Unternehmen kann beispielsweise seine Leads verdoppeln und trotzdem kaum schneller wachsen, wenn ein großer Teil der neuen Nutzer nach kurzer Zeit wieder abspringt.
Wenn deine Pipeline leer ist, liegt dein Growth-Hebel wahrscheinlich bei Acquisition. Kommen genug passende Leads rein und zu wenige werden Kunden, musst du später im Funnel suchen.
Der größte Growth-Hebel liegt dort, wo aktuell am meisten potenzieller Revenue verloren geht.

Welche Daten brauchst Du für Growth Marketing?
Du brauchst kein Dashboard mit 50 KPIs. Du musst Marketingdaten mit den Zahlen aus den späteren Phasen verbinden, damit du siehst, an welcher Stelle aus Nachfrage kein Revenue mehr wird.
Fehlt dir qualifizierte Pipeline, prüfst du deine Akquisitionskanäle. Ein niedriger CPL sieht gut aus, bringt dir aber wenig, wenn Sales daraus kaum Kunden gewinnt. Kommen genügend Leads rein und nur wenige werden Kunden, werden Close Rate und die Einwände aus Sales relevanter.
Bei vielen Sign-ups mit geringer Produktnutzung solltest du Activation Rate und Time-to-Value prüfen. Später zeigen dir Churn und NRR, ob verlorener Revenue dein Wachstum auffrisst oder bestehende Accounts zusätzlichen ARR erzeugen.
Du willst tiefer in CAC, ARR oder NRR einsteigen? In unserer Übersicht zu SaaS KPIs erklären wir die wichtigsten Kennzahlen und ihre Berechnung.
Wie wird aus einem Engpass ein Growth-Experiment?
Sobald dein Engpass feststeht, brauchst du eine Hypothese, die genau auf dieses Problem einzahlt.
Nehmen wir wieder die schwache Activation. Deine Daten zeigen, dass viele Trial-Nutzer vor dem ersten Reporting abbrechen. Deine Hypothese könnte lauten: Ein vorkonfiguriertes Template bringt Nutzer schneller zum ersten Ergebnis und erhöht dadurch die Activation Rate.
Dann gehst du Schritt für Schritt vor:
- Engpass festlegen: Nutzer brechen vor dem ersten Reporting ab.
- Hypothese formulieren: Ein vorkonfiguriertes Template soll den Weg zum ersten Produktwert verkürzen.
- Änderung testen: Ein Teil der neuen Nutzer startet direkt mit dem Template.
- Ergebnis messen: Prüfe, ob mehr Nutzer den gewünschten Activation-Punkt erreichen.
- Gewinner ausrollen: Verbessert sich die Zielkennzahl und hält der Effekt später im Funnel, kannst du die Änderung weiter ausrollen.
Wichtig ist, dass du vor dem Test festlegst, welche Kennzahl sich verändern soll. Eine höhere Klickrate ist kein Growth-Ergebnis, wenn daraus später nicht mehr Produktnutzung oder Revenue entsteht.

Wie schnell liefert Growth Marketing Ergebnisse?
Je nach Growth-Hebel kannst du innerhalb weniger Wochen erste belastbare Signale bekommen oder bis zu zwölf Monate benötigen. Ein Conversion-Test auf einer stark besuchten Landingpage lässt sich meist deutlich früher bewerten als der Aufbau eines neuen Akquisitionskanals.
Bei SEO sehen wir in unseren SaaS-Projekten häufig nach drei bis sechs Monaten erste spürbare Ergebnisse. Wie unterschiedlich diese Zeiträume ausfallen können, zeigen auch unsere Projekte.
- Kickscale erreichte innerhalb von acht Wochen Top-3-Rankings zu allen wichtigen Money Keywords.
- Skribble steigerte seinen organischen Traffic innerhalb von sechs Monaten um 140,25 Prozent.
- LeasingCockpit baute innerhalb von zwölf Monaten einen organischen Kanal mit 14.871 monatlichen Besuchern auf.
Der Zeitraum hängt damit vom Hebel und deiner Ausgangslage ab. Ein SaaS mit bestehendem Traffic kann einen Landingpage-Test schneller bewerten als ein Unternehmen, das einen Organic-Growth-Kanal bei null aufbaut.
Welche Growth-Marketing-Strategien funktionieren bei SaaS?
Welche Strategie für dein SaaS funktioniert, hängt davon ab, wo dein größter Growth-Engpass liegt. Fehlt dir qualifizierte Nachfrage, brauchst du einen anderen Hebel als bei einer schwachen Activation oder zu wenig Expansion Revenue.
Die folgenden Beispiele zeigen, wie SaaS-Unternehmen genau solche Engpässe mit unterschiedlichen Growth-Strategien lösen.
Bestehende Nachfrage systematisch abgreifen
Wenn potenzielle Kunden bereits nach deinem Problem oder einer Lösung suchen, kannst du diese Nachfrage über SEO abgreifen. Besonders interessant sind wiederkehrende Suchmuster, aus denen sich mehrere relevante Landingpages ableiten lassen.
Bei Zapier funktioniert genau diese Mechanik über Integrationen und Workflows. Aus der Produktstruktur entstehen Seiten für sehr konkrete Suchanfragen.
Time-to-Value verkürzen
Wenn viele Nutzer dein Produkt testen und früh abspringen, kann Activation der stärkere Growth-Hebel sein. Dann solltest du prüfen, welcher Schritt Nutzer schneller zum ersten sichtbaren Produktwert bringt.
Notion nutzt dafür Templates. Nutzer müssen nicht mit einer komplett leeren Seite starten und können einen vorhandenen Aufbau direkt für ihren Use Case einsetzen.
Expansion aus der Produktnutzung erzeugen
Bei einem SaaS mit Seat-Modell kann Wachstum auch innerhalb bestehender Accounts entstehen. Relevant sind dann Nutzungssignale, die zeigen, wann weitere Personen oder ein größeres Paket benötigt werden.
Slack zeigt diese Mechanik gut. Je mehr Personen eines Unternehmens das Produkt verwenden, desto stärker kann die Nutzung innerhalb des Accounts wachsen.
Diese Beispiele zeigen auch, warum es wenig bringt, eine erfolgreiche SaaS-Strategie einfach zu kopieren. Du musst zuerst prüfen, ob sie überhaupt deinen aktuellen Engpass adressiert.
Wie machst Du Content zu einem Growth Asset?
Content wird zum Growth Asset, wenn er eine konkrete Aufgabe in deiner Buying Journey erfüllt und sein Beitrag zum Funnel messbar ist.
Bei VDB Digital planen wir Content deshalb von der Suchintention aus. Sucht jemand erstmals nach einem Problem, braucht er einen anderen Inhalt als ein CMO, der bereits konkrete SaaS-Anbieter vergleicht. Besonders kaufnahe Keywords verbinden wir mit Seiten, die einen klaren Bezug zum Produkt und zum nächsten Schritt haben.
Für bestehende Inhalte kannst du folgendermaßen vorgehen:
- Suchintention bestimmen: Welches Problem will der Leser auf dieser Seite lösen?
- Position in der Buying Journey festlegen: Informiert er sich noch oder vergleicht er bereits Lösungen?
- Passenden nächsten Schritt einbauen: Verlinke auf ein Produkt, einen Case oder ein Asset, das zur aktuellen Kaufphase passt.
- Conversion messen: Prüfe nicht nur Rankings und Traffic. Miss qualifizierte Leads und beeinflusste Opportunities.
- Gewinner ausbauen: Seiten, die nachweislich Pipeline erzeugen, bekommen mehr interne Links oder ergänzende Inhalte.
Was verändert AI Search am Growth Marketing?
Die Growth-Logik bleibt gleich. Du prüfst weiterhin, wo potenzielle Kunden verloren gehen und welcher Hebel diesen Engpass reduzieren kann.
Bei Acquisition ist allerdings ein weiterer Recherchekanal hinzugekommen. SaaS-Käufer können Anbieter inzwischen direkt über ChatGPT oder Perplexity recherchieren und miteinander vergleichen.
Für dein Growth Marketing solltest du deshalb zusätzlich prüfen, ob dein SaaS bei kaufrelevanten AI-Prompts genannt wird und wie es dort eingeordnet wird. Tauchen Wettbewerber häufiger auf, hast du einen neuen messbaren Engpass innerhalb deiner Acquisition.
SEO und AI Search hängen dabei eng zusammen. Klare Produktseiten und Inhalte zu konkreten Use Cases helfen Suchsystemen dabei, dein Angebot passenden Fragen zuzuordnen.
Wie machst Du Growth Marketing zu einem festen Prozess?
Ein einzelnes Experiment ist noch kein Growth-System. Der Wert entsteht, wenn du denselben Prozess regelmäßig wiederholst und neue Entscheidungen auf den Ergebnissen vorheriger Tests aufbaust.
Ich würde mindestens einmal pro Quartal den größten Growth-Engpass neu bewerten. Bei schnell laufenden Experimenten kannst du deutlich kürzere Zyklen wählen.
Der Ablauf bleibt gleich: Du identifizierst den Engpass, priorisierst einen Hebel und definierst die Zielkennzahl. Danach läuft das Experiment für einen vorher festgelegten Zeitraum.
Funktioniert der Test, baust du den Hebel aus. Bleibt der Effekt aus, fließt das Budget in die nächste Hypothese. Sobald sich dein Engpass verschiebt, beginnt die Analyse erneut.
So wird Growth Marketing vom einzelnen Experiment zum Steuerungsmodell für dein weiteres SaaS-Wachstum.
Fazit: Growth Marketing beginnt beim Engpass
Growth Marketing gibt dir eine klare Reihenfolge für deine nächsten Wachstumsentscheidungen. Du analysierst zuerst, wo dein SaaS Revenue verliert und setzt dein Budget anschließend auf den Hebel, der genau dort ansetzt.
Welcher Hebel das ist, verändert sich mit deinem Unternehmen. In der Early Stage kann fehlende Nachfrage das größte Problem sein. Später können Activation oder Retention dein ARR stärker begrenzen.
Für uns ist deshalb die wichtigste Growth-Frage nicht, welcher Kanal gerade den besten Benchmark besitzt. Relevant ist, welcher Engpass dein SaaS aktuell davon abhält, mehr Revenue aufzubauen.
Hast du diesen Engpass gefunden, kannst du eine konkrete Hypothese testen und anhand einer vorher definierten Kennzahl entscheiden, ob du den Hebel weiter ausbaust.
Growth Marketing – Häufige Fragen und Antworten
Was kostet Growth Marketing?
Die Kosten für Growth Marketing hängen vom Engpass und dem gewählten Hebel ab. Dein SaaS Marketing Budget solltest du deshalb dort einsetzen, wo die Investition den größten wirtschaftlichen Effekt auf deinen Revenue erwarten lässt.
Ab wann lohnt sich Growth Marketing für ein SaaS?
Growth Marketing lohnt sich, sobald dein SaaS genügend Daten besitzt, um Engpässe im Funnel zu erkennen. Je mehr belastbare Daten du zu Akquise, Produktnutzung und Revenue hast, desto genauer kannst du einzelne Growth-Hebel bewerten.
Wie viele Growth-Experimente sollte ein SaaS gleichzeitig testen?
Das hängt von deiner Datenmenge und deinen Ressourcen ab. Gerade bei wenig Traffic liefern wenige klar priorisierte Experimente häufig belastbarere Ergebnisse als viele parallele Tests.
Welche Tools braucht man für Growth Marketing?
Du brauchst Tools, mit denen du den Weg von der ersten Nachfrage bis zum Revenue nachvollziehen kannst. Wichtig ist vor allem, Marketingdaten mit Produktnutzung und Revenue zu verbinden, damit du erkennst, welche Maßnahmen tatsächlich Kunden bringen.
Kann Growth Marketing auch ohne Paid Ads funktionieren?
Ja. Growth Marketing schreibt keinen bestimmten Akquisitionskanal vor. Fehlt qualifizierte Nachfrage, können beispielsweise SEO und Content eingesetzt werden, während bei schwacher Activation der stärkere Hebel im Produkt liegen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Growth Marketing und Performance Marketing?
Performance Marketing konzentriert sich vor allem auf messbare Akquise über bezahlte Kampagnen. Growth Marketing betrachtet den gesamten Kundenlebenszyklus und prüft, welcher Engpass das weitere Wachstum aktuell am stärksten begrenzt.
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